
Magento-Checkliste für die Hochsaison: So bereiten Sie Ihren Onlineshop auf Black Friday und Weihnachten vor
Welche Probleme treten während der umsatzstärksten Woche typischerweise auf?
Größere Systemausfälle sind selten. Viel häufiger beobachten wir drei kleinere Probleme, die sich gegenseitig verstärken.- Überverkäufe: Der Shop verkauft Produkte, die im Lager nicht mehr verfügbar sind, weil die ERP-Synchronisierung nur stündlich erfolgt und innerhalb von zwanzig Minuten 40 Einheiten verkauft wurden. Das Problem fällt erst auf, wenn die Stornierungs-E-Mails verschickt werden.
- Cache-Einbruch: Die Trefferquote des Full-Page-Caches sinkt genau im ungünstigsten Moment. Häufig liegt die Ursache im eigenen System: Ein umfangreicher Bestands- oder Preisimport aus dem ERP invalidiert Tausende zwischengespeicherte Seiten. Plötzlich greifen sämtliche Besucher direkt auf PHP und die Datenbank zu.
- Verzögerungen bei Hintergrundprozessen: Cron-Jobs bleiben hängen, Indexer geraten in Rückstand, Bestellbestätigungen stauen sich in der Warteschlange und Bestellungen werden nicht mehr an das ERP übertragen. Im Frontend scheint alles normal zu funktionieren, während sich im Hintergrund die Prozesse aufstauen.
Schritt 1: Lagerbestände vor dem Ansturm mit dem ERP abgleichen
Wenn Ihr Shop SAP Business One oder ein anderes ERP-System nutzt, ist das ERP die führende Datenquelle für Lagerbestände. Magento zeigt lediglich eine Kopie dieser Informationen an. Während der Hochsaison können Abweichungen zwischen beiden Systemen schnell zu Überverkäufen führen. Drei Prüfungen sollten Sie jetzt durchführen: Bestandsreservierungen bereinigen. Magentos Multi-Source Inventory (MSI) verwaltet Reservierungen für aufgegebene, aber noch nicht versendete Bestellungen. Stornierte Bestellungen oder fehlgeschlagene Importe können fehlerhafte Reservierungen hinterlassen, wodurch die verkaufbaren Bestandsmengen nicht mehr stimmen. # Bestellungen mit inkonsistenten Reservierungen auflisten bin/magento inventory:reservation:list-inconsistencies -r # Inkonsistenzen durch Ausgleichsreservierungen korrigieren bin/magento inventory:reservation:list-inconsistencies -r | \ bin/magento inventory:reservation:create-compensations Synchronisierungsintervalle verkürzen oder auf ereignisbasierte Updates umstellen. Eine stündliche Bestandssynchronisierung mag im März ausreichen. Während der Hochsaison ist das häufig nicht der Fall. Aktualisieren Sie Bestände alle paar Minuten oder übertragen Sie Änderungen idealerweise unmittelbar aus dem ERP, sobald sie entstehen. Auch die Bestellübertragung in die andere Richtung sollte nahezu in Echtzeit erfolgen, damit das Lager die Kommissionierung starten und das ERP die entsprechenden Bestände reservieren kann. Sicherheitsbestand festlegen. Nutzen Sie den Out-of-Stock Threshold unter Stores → Configuration → Catalog → Inventory, um bei besonders gefragten Artikeln einige Einheiten als Puffer zurückzuhalten. Es ist besser, 98 von 100 Einheiten zu verkaufen und alle auszuliefern, als 100 Einheiten zu verkaufen und anschließend drei Bestellungen stornieren zu müssen. Ein wichtiger Hinweis: Eine vollständige Bestandssynchronisierung von 20.000 SKUs alle fünf Minuten belastet Ihren Cache erheblich (siehe Schritt 2). Synchronisieren Sie deshalb nur Änderungen, sogenannte Deltas, statt jedes Mal den gesamten Produktkatalog zu übertragen. Fragen Sie den Verantwortlichen für Ihren Connector, wie dieser damit umgeht. Bei unseren Integrationsprüfungen vor November gehört das zu den ersten Punkten, die wir kontrollieren.Schritt 2: Cache, Cron-Jobs und Indexer überprüfen
Cache-Trefferquote kennen. Wenn Varnish vor Magento eingesetzt wird, sollte der Großteil der Zugriffe auf Katalogseiten PHP gar nicht erst erreichen. Messen Sie die Trefferquote bereits heute, um einen Vergleichswert zu erhalten: varnishstat -1 -f MAIN.cache_hit -f MAIN.cache_miss Wenn auf Kategorie- und Produktseiten die Cache-Treffer nicht deutlich über den Fehlzugriffen liegen, sollten Sie die Ursache vor dem 27. November ermitteln. Häufige Auslöser sind Cookies oder Query-Parameter, die jede Anfrage einzigartig machen. Tracking-Parameter sind ein klassisches Beispiel. Auch Blöcke mit cacheable="false" in einer Layout-Datei können dafür sorgen, dass der Full-Page-Cache für die gesamte Seite deaktiviert wird. Sessions und Cache getrennt halten. Sessions und Cache sollten nicht dieselbe Redis- oder Valkey-Datenbank verwenden. Wenn der Cache geleert wird oder bei Speichermangel Schlüssel entfernt werden, dürfen Kunden dadurch nicht ihre Warenkörbe verlieren. In app/etc/env.php: 'session' => [ 'save' => 'redis', 'redis' => [ 'host' => 'valkey-sessions', 'port' => '6379', 'database' => '2', 'max_concurrency' => '20', ], ], Alle Indexer auf zeitgesteuerte Aktualisierung umstellen. Bei „Update on Save“ erfolgt die Neuindexierung innerhalb derselben Anfrage wie die Änderung. Unter hoher Last ist das ungünstig. bin/magento indexer:set-mode schedule bin/magento indexer:status Prozesse aus dem Checkout auslagern. Zwei Einstellungen helfen insbesondere dann, wenn viele Bestellungen gleichzeitig eingehen: # Bestell-E-Mails über Cron statt während des Checkouts versenden bin/magento config:set sales_email/general/async_sending 1 # Bestellübersicht im Adminbereich asynchron aktualisieren bin/magento config:set dev/grid/async_indexing 1 Cron-Jobs überwachen, nicht nur das Frontend. Ein blockierter Cron-Job legt den Shop nicht unbedingt lahm. Er kann jedoch unbemerkt den E-Mail-Versand, die Indexierung und die ERP-Exporte stoppen. Mit dieser SQL-Abfrage sehen Sie, welche Cron-Jobs in der vergangenen Stunde ausgeführt wurden: SELECT job_code, status, COUNT(*) AS jobs FROM cron_schedule WHERE scheduled_at > NOW() - INTERVAL 1 HOUR GROUP BY job_code, status ORDER BY job_code; Viele verpasste oder ungewöhnlich lange laufende Jobs sind ein Problem, das Sie sofort beheben sollten, nicht erst während der Hochsaison. Lasttests mit realistischen Kennzahlen durchführen. Nehmen Sie die besucherstärkste Stunde des Vorjahres aus Ihren Analytics-Daten, multiplizieren Sie die Last mit zwei oder drei und testen Sie ausschließlich in einer Staging-Umgebung, niemals im Produktivsystem. Ein kurzes k6-Skript reicht für den Einstieg: import http from 'k6/http'; import { check, sleep } from 'k6'; export const options = { stages: [ { duration: '5m', target: 50 }, { duration: '15m', target: 300 }, { duration: '5m', target: 0 }, ], thresholds: { http_req_duration: ['p(95)<1500'], http_req_failed: ['rate<0.01'], }, }; export default function () { const base = __ENV.BASE_URL; const res = http.get(`${base}/`); check(res, { 'status 200': (r) => r.status === 200 }); http.get(`${base}/sale.html`); http.get(`${base}/catalogsearch/result/?q=jacket`); sleep(1); } Reiner Besucherverkehr ist dabei noch der einfache Teil. Ergänzen Sie Warenkorb- und Checkout-Aufrufe über die REST-API und führen Sie während des Tests eine ERP-Bestandssynchronisierung durch. Genau diese Kombination tritt am Black Friday tatsächlich auf.Schritt 3: Liefertermine und Rabattpreise korrekt darstellen
Dieser Bereich ist zwar weniger technisch, landet aber schnell beim Kundensupport, wenn Sie ihn vernachlässigen. Lieferfristen frühzeitig kommunizieren. Im Dezember möchten Kunden vor allem eines wissen: Kommt die Bestellung noch vor dem 24. Dezember an? Prüfen Sie die Annahmeschlusszeiten Ihrer Versanddienstleister für Weihnachten, berücksichtigen Sie einen zusätzlichen Tag als Puffer für die eigene Kommissionierung und zeigen Sie die entsprechenden Informationen an drei Stellen:- in einem shopweiten Banner ab Anfang Dezember
- auf der Produktseite neben der voraussichtlichen Lieferzeit
- im Checkout, bevor der Kunde bezahlt
- Sie benötigen eine Preishistorie. Magento speichert den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage standardmäßig nicht. Nutzen Sie eine Erweiterung oder ein individuell entwickeltes Modul, das diese Informationen erfasst, und prüfen Sie vor Kampagnenbeginn, ob die Aufzeichnung zuverlässig funktioniert.
- Achten Sie auf das Feld „Special Price“. Wenn der neben einem Sonderpreis durchgestrichene ursprüngliche Preis im Oktober nur wenige Tage gültig war, ist der Vergleich nicht rechtskonform. Gerade während der Black Week sind solche Preisangaben ein häufiger Anlass für Abmahnungen.
Schritt 4: Code-Freeze festlegen und für Störungen vorsorgen
Einen verbindlichen Code-Freeze festlegen. Für 2026 bietet sich der Zeitraum von Freitag, dem 20. November, bis Montag, dem 4. Januar, an. Während dieser Phase sollten ausschließlich kritische Sicherheitsupdates eingespielt werden. Keine neuen Extensions. Keine vermeintlich kleinen Theme-Anpassungen. Keine Updates am ERP-Connector. Der Adobe-Patchkalender kommt Ihnen in diesem Jahr entgegen. Das Sicherheitsupdate für November ist für den 10. November vorgesehen, den zweiten Dienstag des Monats. Auch Version 2.4.9-p1 wird in diesem Monat erwartet. Installieren und testen Sie beide Updates vor Beginn des Code-Freeze. Der nächste reguläre Termin ist der 8. Dezember. Spielen Sie dieses Update nur ein, wenn Adobe eine Sicherheitslücke als kritisch einstuft, und testen Sie es wie jeden anderen Patch zunächst in der Staging-Umgebung. Den Notfallplan schriftlich festhalten. Nicht nur im Kopf eines Mitarbeiters. Eine Seite genügt, sofern sie folgende Fragen beantwortet:- Wer hat vom 27. November bis zum 31. Dezember an welchem Tag Bereitschaft, und wie ist die Person erreichbar?
- Wen kontaktieren Sie beim Hosting-Anbieter, Zahlungsdienstleister und ERP-Partner? Halten Sie die Telefonnummern bereit.
- Wie setzen Sie das letzte Deployment zurück, und wie lange dauert das?
- Wer entscheidet über die Aktivierung des Wartungsmodus, und was sehen die Kunden in diesem Fall?
- Wenn Bestellungen nicht mehr im ERP ankommen, wie können Sie diese manuell exportieren?
Die Checkliste
Drucken Sie diese Liste aus, teilen Sie sie mit Ihrem Team und haken Sie die erledigten Punkte ab.Bis zum 13. November
- Magento läuft auf einer unterstützten Version und das November-Sicherheitsupdate ist installiert.
- Inkonsistenzen bei MSI-Reservierungen wurden überprüft und behoben.
- Die ERP-Bestandssynchronisierung erfolgt alle paar Minuten oder ereignisbasiert und überträgt nur Änderungen.
- Für besonders gefragte Produkte ist ein Sicherheitsbestand festgelegt.
- Alle Indexer sind auf „Update by Schedule“ eingestellt.
- Der asynchrone E-Mail-Versand und die asynchrone Aktualisierung der Bestellübersicht sind aktiviert.
Bis zum 20. November (Code-Freeze)
- Die Varnish-Cache-Trefferquote wurde gemessen und Seiten mit unnötiger Cache-Invalidierung wurden korrigiert.
- Sessions und Cache verwenden getrennte Redis-/Valkey-Datenbanken.
- Der Lasttest mit dem Zwei- bis Dreifachen der Vorjahresspitze wurde erfolgreich durchgeführt, einschließlich Checkout und ERP-Synchronisierung.
- Der niedrigste Preis der vergangenen 30 Tage wird für jedes rabattierte Produkt erfasst.
- Das Banner mit den Lieferfristen wurde als CMS-Block vorbereitet.
- Der Notfallplan ist dokumentiert, der Bereitschaftsplan abgestimmt und alle Kontaktdaten sind zusammengestellt.
- Warnmeldungen für Checkout-Fehler, Zahlungen, Cron-Jobs und den ERP-Bestellexport sind eingerichtet.
Benötigen Sie vor dem 27. November eine zusätzliche Expertenprüfung?
Ingold Solutions führt Hochsaison-Checks für Magento- und Adobe-Commerce-Shops durch, einschließlich der SAP-Business-One-Integration. Wir überprüfen die Bestandssynchronisierung, das Caching, Cron-Jobs, das Hosting und Ihren Notfallplan. Anschließend zeigen wir Ihnen, welche Probleme Sie vor dem Code-Freeze beheben sollten. Als Adobe Solution Partner und SAP Silver Partner prüfen wir sowohl Ihren Onlineshop als auch die ERP-Integration aus einer Hand.Häufig gestellte Fragen
Black Friday findet am Freitag, dem 27. November 2026, statt. Cyber Monday folgt am 30. November.
Synchronisieren Sie die Lagerbestände mit Ihrem ERP-System, überprüfen Sie die Cache-Trefferquote, stellen Sie die Indexer auf zeitgesteuerte Aktualisierung um und verlagern Sie den E-Mail-Versand auf Cron-Jobs. Führen Sie außerdem Lasttests in einer Staging-Umgebung mit dem Zwei- bis Dreifachen der Vorjahresspitze durch und legen Sie etwa eine Woche vor Black Friday einen Code-Freeze fest.
Etwa eine Woche vor Black Friday. Für 2026 ist der 20. November ein sinnvoller Termin. Behalten Sie den Code-Freeze bis Anfang Januar bei und lassen Sie ausschließlich kritische Sicherheitsupdates zu.
Halten Sie die Synchronisierungsintervalle mit dem ERP möglichst kurz, übertragen Sie nur geänderte Bestandsdaten, korrigieren Sie veraltete MSI-Reservierungen und legen Sie für besonders gefragte Produkte einen Sicherheitsbestand fest.
Ja. In Deutschland verlangt § 11 PAngV bei der Werbung mit Preisermäßigungen gegenüber Verbrauchern die Angabe des niedrigsten Preises der vergangenen 30 Tage als Referenzpreis.




